Willkommen…

18. Mai 2009

… auf unserem Reiseblog. Von August 2009 bis Juli 2010 sind wir in Zentralasien, Nepal, Neuseeland und der Mongolei unterwegs. Hier findest du Berichte über unsere Reise. Wenn du per eMail über neue Artikel informiert werden möchtest, klicke hier.

Diese Übersichtskarte zeigt unsere geplante Reiseroute, den genauen Verlauf findest du hier.

Geplante Reiseroute

Alle Einträge können gerne kommentiert werden. Allerdings musst du etwas Geduld mitbringen, bis wir deinen Kommentar freigeben. Wir kommen nicht jeden Tag an einen Rechner. Persoenlich erreichst du uns unter den email-Adressen linda oder paco @reiseblog.hohlbrot.de.

Viel Spaß beim Lesen und viele Grüße,
Linda und Paco

Berlin

11. Juli 2010

Wir sind wieder zurueck in Deutschland und das fuehlt sich schon komisch an. Alle sprechen deutsch, das Wasser aus dem Hahn macht nicht krank und es gibt richtig feinen Kaffee. Bei Hannah und Daniel entspannen wir uns und stellen fest, dass ein Bier mit Freunden nochmal besser schmeckt. Es ist wahnsinnig heiss und kuehlt auch nachts kaum ab – zum Glueck gibt es so viele tolle kleine Strassencafes. Uns faellt gerade auf, dass wir wieder ö und ä tippen können. Mittlerweile waren wir beim Friseur und haben uns neu eingekleidet. Endlich mal was anderes und jeden Tag eine frische Unterhose, kleine Freuden eben.

p1290670

Morgen gehts weiter nach Baden, zwei Wochen Vagabundenleben liegen noch vor uns, in unsere Wohnung können wir erst Anfang August. Wir freuen uns auf unsere Familien und Freunde und werden versuchen, uns im Anblick der Kinder das “Du bist aber groß geworden!” zu verkneifen.

Sankt Petersburg

6. Juli 2010

Sankt Petersburg ist die schoenste Stadt unserer Reise.

Es wurde 1703 von Peter dem Grossen gegruendet und hat heute als noerdlichste Millionenstadt der Erde ueber 4,6 Millionen Einwohner. Durch die ganze Stadt ziehen sich Kanaele, die von grossen und kleinen Bruecken ueberspannt werden. Auf dem Wasser herrscht reger Schiffsverkehr – eine Touristenbarkasse nach der anderen tuckert vorbei. Die Gebaeude sind praechtig und riesengross, die meisten Fassaden im Zentrum wurden frisch renoviert. In orthodoxen Kirchen und Kathedralen bestaunten wir die reich verzierten Innenraeume. Im etwas ausserhalb gelegenen Schloss Peterhof wird die Dekadenz Peters des Grossen und seiner Nachfahren besonders deutlich, hunderte mit Gold verzierte Springbrunnen umgeben den pompoesen Bau.

P1280760

P1280763

Da Sankt Petersburg fast am 60.Breitengrad liegt, sind die sogenannten “Weissen Naechte” zur Zeit sehr kurz. Der Sonnenuntergang ist erst kurz vor Mitternacht und richtig dunkel ist es hoechstens zwei Stunden. Wenn nachts ab halb zwei die Bruecken ueber der Newa hochgeklappt werden, um grossen Schiffen die Durchfahrt zu ermoeglichen, stehen tausende Touristen am Ufer, um das Spektakel zu beobachten.

P1290274

P1290251

Wir verbrachten unsere fuenf Tage hier im Wesentlichen damit, durch die Stadt zu schlendern, einzelne Bauwerke zu besichtigen, kleine Restaurants zu besuchen oder am Wasser zu sitzen. Wir beobachteten unzaehlige Hochzeitspaare mit Stretchlimousinen und sahen knapp bekleideten Russinen in Highheels beim Posieren fuers Familienalbum zu. Am Samstagabend gingen wir zu einem Konzert der Sankt Petersburger Band Ska-Jazz-Review und verbrachten einen witzigen Abend im heruntergekommenen Hinterhof des Klubs. Die Musik war richtig gut und die Stimmung ausgelassen.

P1280918

P1290049

Die Zeit verging schnell, heute Abend schon fahren wir mit dem Nachtzug nach Vilnius und von dort weiter nach Warschau. Wir koennen es kaum glauben, aber Uebermorgen sind wir in Berlin und damit zurueck in Deutschland.

Transsib

5. Juli 2010

Waehrend die 850 Kilometer lange Kurzstrecke von Ulan Bator nach Irkutsk durch eine siebenstuendige Grenzkontrolle und eine strenge russische Waggonschaffnerin einigen Abenteuercharakter hatte, waren wir vor der laengsten Zugstrecke unserer Reise ganz entspannt. Ausgestattet mit einem leckeren ersten Abendessen (Lachs und Wurst zu Rotebeete- und Kartoffelsalat) und einem Sortiment an chinesischen Nudelsuppen fuer die folgenden Tage, bezogen wir unser Abteil. Die jungen Schaffnerinnen waren nett und Tatjana, eine Ingenieurin der Russian Railways war unsere lustige Abteilgenossin.

P1280516

P1280417

Immer puenklich im Zeitplan ratterte unser Zug in den darauffolgenden fast 5 Tagen entlang der ueber 5000 Kilometer langen Strecke quer durch Russland. Waehrend die ostsibirische Taiga noch abwechslungsreich huegelig war und huebsche Datschas an den Gleisen standen, gipfelte die Einoede in bis zu 600 Kilometer schnurgerader Strecke durch Westsibirien.

P1280596

P1280556

Unser Tagesablauf hatte sich schnell eingespielt. So lange wie moeglich schliefen wir auf unseren Pritschen, bis wir endgueltig wachgeruettelt waren. Ein Freiwilliger holte Kaffeewasser vom Samovar im Gang und wir bereiteten unseren Porridge zu. Dann machten wir es uns auf unseren Pritschen gemuetlich und lasen mehr oder weniger Weltliteratur, Tatjana strickte an ihrem Pullover. Zwischendurch goennten wir uns einen Tee mit Wasser vom Samovar. Mittags assen wir leckeres Brot mit Wurst und Gurken, bevor wir uns mit einem Kaffee noch einmal hinlegten. Mit etwas Glueck verkauften fliegende Haendlerinnen waehrend des naechsten halbstuendigen Aufenthalts etwas Leckeres zu essen am Bahnsteig, Manti oder Piroschki schmeckten besonders gut. Wir witzelten auf russisch mit Tatjana und der Frau mit dem Servierwagen. Nach dem Chinanudelabendessen tranken wir ein Bier von einem der Bahnsteigkioske und spielten eine Runde Karten. Kurz bevor wir spaet in der Nacht erschoepft ins Bett fielen, stiessen wir noch mit dem netten Amerikaner aus dem Nachbarabteil mit einem Wodka auf die Transsib an.

P1280440

P1280503

Kurz nachdem uns am Ural ein unauffaelliger Obelisk auf dem europaeischen Kontinent willkommen hiess, verliess uns Tatjana und wir hatten immerhin einen halben Tag Zweisamkeit, bevor eine Frau, ein Mann, ein Kind und ein Hund zustiegen. Es wurde stickig, waermer und wir einigten uns darauf, die Gerueche dem Hund zuzuschreiben. Wir verzogen uns hinter unsere Buecher und waren zugegebenermassen erleichtert, als Mann und Hund nach zwei Stunden verschwanden. Die Luft wurde besser und wir spielten Karten mit dem Jungen. Die Regeln verstanden wir nicht, konnten unerklaerlicherweise aber manchmal gewinnen. Die letzte Nacht kam schneller als gedacht und dank des Besuchs im Duschwaggon am 3.Tag fuehlten wir uns den Umstaenden entsprechend sauber, als wir bei strahlendem Sonnenschein und sommerlicher Hitze in Sankt Petersburg einfuhren.

Baikalsee

26. Juni 2010

Als wir durchs Zugfenster das erste Mal einen Blick auf den Baikalsee werfen konnten, haben wir uns entschieden,  mindestens zwei Wochen hier zu verbringen. Doch zuerst blieben wir drei Tage in Irkutsk, genossen die Sonne in den Parkanlagen und das russische Essen. Das “Paris Sibiriens” gefiel uns richtig gut. Am Bahnhof kauften wir noch Fahrkarten fuer einen Direktzug nach St.Petersburg und freuten uns, dass wir das mit unserem nicht vorhandenen Russisch problemlos hinbekamen.

Mit dem Bus fuhren wir dann an den Baikalsee nach Listvjanka, einem beliebten russischen Wochenend-Mallorca. Der Strand war voll, gebadet hat allerdings keiner, auch den Russen scheinen sieben Grad zu kalt zu sein. Von hier aus liefen wir entlang der wunderschoenen, oft schroffen Kueste auf dem Great Baikal Trail vier Tage nach Norden. Der Weg fuehrte ueber Klippen, Kiesstraende und Blumenwiesen. Abends fanden wir Zeltplaetze am Ufer mit bester Aussicht ueber den riesigen See und die schneebedeckten Berge weit weg am Horizont.

P1260851

P1260935

In Bolshoye Goloustnoye endet der Wanderweg und um mit dem Bus weiter nach Norden zu gelangen, muss man erstmal wieder zurueck nach Irkutsk. Dies wollten wir vermeiden. Auf unserer Wanderkarte war eine direktere Verbindung eingezeichnet und so beschlossen wir, die 80 Kilometer zu trampen. Nach einem ersten Blick auf die mit Schlagloechern uebersaehte Piste hatten wir allerdings wenig Hoffnung. Erstaunlicherweise kam nach einer halben Stunde tatsaechlich ein Jeep. Auf russisch versicherten uns die beiden aelteren Maenner strahlend, uns bis zu unserem Ziel Buguldeyka mitzunehmen. Das dachten wir zumindest so lange, bis sie uns nach einer Stunde Fahrzeit und nur 14 Kilometern wieder aussetzten und mit froehlichem Winken nach wohin-auch-immer abbogen. Da wir nicht an ein weiteres Auto glaubten, liefen wir los. Nach knapp 20 Kilometern konnten wir unser Glueck nicht fassen: woher-auch-immer kam ein weiterer Jeep angeheizt. Die beiden Jaeger raeumten ihre Rueckbank fuer uns frei und nach einem echten Hoellenritt stiegen wir mit schmerzenden Gliedern wieder aus. Wir wanderten noch einige Kilometer weiter und waren schon auf Zeltplatzsuche, als das dritte Auto anhielt. Auf einer Sense und frisch geschnittenem Gras fuhren wir dann tatsaechlich bis nach Buguldeyka und fanden dort eine Unterkunft mit Vollverpflegung bei einer netten Familie. Erholungsbeduerftig wie wir waren blieben wir gleich zwei Naechte.

P1270834

P1270716

Ueber eine ordentliche Schotterstrasse fuhren wir weiter zur Insel Olchon. Wir wanderten in zwei Tagen quer ueber die wunderschoene Insel und nach Khuzhir, der groessten Siedlung. Die Kuestenlandschaft ist spektakulaer und es war nur ein kleiner Spaziergang von unserer Unterkunft bis zu den Schamanenfelsen. Eine Jeeptour brachte uns ans noerdliche Ende der Insel, von wo aus wir in drei Tagen wieder zum Dorf zurueckwandern wollten. In einer Bucht mit wenigen Haeusern fanden wir einen aussichtsreichen Zeltplatz und verbrachten einen gemuetlichen Abend. Beim Fruehstueck  sahen wir ein Schiff in unsere Richtung kommen und ein Kleinbus brachte Touristen an den Strand. Da wir von Anfang an gerne eine Bootsfahrt gemacht haetten, aber wegen der Nebensaison noch keine Faehren fuhren, zoegerten wir nicht lange. Wir packten unser Zeug zusammen, eilten zum Ufer und fragten, ob wir mitfahren koennen. Tatsaechlich durften wir an Bord gehen und ueberquerten bei sonnigem Wetter gemeinsam mit drei lustigen Franzosen den Baikalsee. Nach etwas ueber fuenf Stunden kamen wir auf der anderen Seite an. Ueber Ulan Ude fuhren wir auf dem Landweg in zwei Tagen zurueck.

P1280030

P1280069

Heute ist unser letzter Tag in Irkutsk und morgen Abend steigen wir in die Transsib, die uns in 92 Stunden nach Sankt Petersburg bringen wird. Wir hoffen wieder einmal auf nette Abteilgenossen und freuen uns auf die Reise.

Trekking im Terelj Nationalpark

7. Juni 2010

Mit dem Taxi dauerte es nur eine halbe Stunde von Ulan Bator nach Gachuurt, dem Ausgangsort fuer unsere neuntaegige Wanderung im Terelj Nationalpark. Francois begleitete uns die ersten zwei Tage.

Gleich am ersten Tag bekamen wir beim Mittagessen Besuch von einem reitenden Hirten, der sich ohne ein Wort zu uns dreien dazusetzte und uns interessiert betrachtete. Das angebotene Marmeladenbrot nahm er mit einem einfachen Nicken gerne an. Als wir spaeter unsere Rucksaecke wieder aufsetzten, ritt er zu seiner Herde zurueck. Der Fluss im Tal war ausgetrocknet und wir machten uns einige Sorgen um unsere Trinkwasserversorgung. Nach eifriger Pantomime unsererseits halfen uns gluecklicherweise die Bewohner des naechsten Dorfes, unsere Wasservorraete am Brunnenhaeuschen wieder aufzufuellen. Mit entsprechend schweren Rucksaecken kaempften wir uns auf den naechsten Pass, wo wir bei schoener Aussicht unsere Zelte aufbauten. Am naechsten Tag verabschiedeten wir uns mittags von Francois und zogen alleine weiter.

P1250602

P1250497

Als wir den Terelj Fluss erreichten, waren wir sehr erleichtert, dass er ordentlich Wasser fuehrte. Genuegend Trinkwasser war also vorhanden, dafuer folgten zahlreiche eiskalte Flussueberquerungen ueber rutschige und scharfkantige Steine. Bei unserer dritten Querung trafen wir Hirten, die verzweifelt versuchten, ihre grosse Ziegen- und Schafherde durch die Furt zu treiben. Die Schaeferhunde lagen faul und nutzlos am Ufer herum und so baten uns die Maenner um Hilfe. Gemeinsam schrien und schlugen wir (mehr oder weniger herzlos) fast eine Stunde lang auf die widerspenstigen Tiere ein, bis den Hirten der Kragen platzte, sie einige Viecher am Kragen packten und in die Fluten warfen. Das panische Meckern eines den Fluss herrunterreibenden Zickleins brach Linda das Herz und sie sprang kurz entschlossen in voller Montur hinterher, um es auf die andere Seite zu tragen. Die Hirten lachten herzlich. Irgendwann folgte der Rest der Herde mehr oder weniger freiwillig ans andere Ufer und nach getaner Arbeit wurden wir in die nahestehende Jurte der Familie eingeladen. Dort sassen wir mit den anderen nassen Treibern um den Ofen, tranken Milchtee und assen Nudelsuppe mit Hammelfleisch.

P1250683

P1250561

Dann wurde es richtig einsam. Wir trafen vier Tage lang keinen einzigen Menschen und genossen die Ruhe – kaum fuenfzig Kilometer von Ulan Bator entfernt. Auch Tiere sahen wir kaum, nur eine frische Baerenspur machte uns zugegebenermassen etwas nervoes. Die Landschaft kam uns vor wie sibirische Taiga und die Tage waren heiss und trocken wie in Suedgriechenland. Schon morgens um sechs schien die Sonne aufs Zelt und es wurde erst abends um neun langsam dunkel. Das Wandern war jedoch ganz schoen muehsam. Wir kaempften uns durch Gestruepp und Sumpf, suchten den Weg, kamen langsamer voran als erwartet und mussten unsere urspruengliche Wegplanung kuerzen. Ohne Weg, aber fast einfacher als sonst, ueberquerten wir eine Bergkette einige Kilometer vor dem eigentlichen Pass. Vom Gipfelplateau hatten wir tolle Aussichten auf teilweise noch schneebedeckte Berge, waehrend auf den Wiesen um uns herum die Fruehlingsblumen bluehten.

P1250786

P1260032

In Richtung des Dorfes Terelj kamen wir mit inzwischen leichten Rucksaecken sehr schnell voran und sahen bald wieder die ersten Jurten. Nach der zwoelften Flussueberquerung erreichten wir den Ort und quartierten uns in einer Jurte ein. Wir genossen das Essen in der Dorfkantine und verbrachten den Nachmittag am Fluss. Ein LKW blieb in der Furt stecken, Touristengruppen ritten durchs Wasser und eine Familie absolvierte ihren kompletten Jurtenumzug mit nur zwei Ochsenkarren – es war einige Unterhaltung geboten. Wir hatten einen gemuetlichen Abend in der Jurte und am naechsten Morgen brachte uns der Bus zurueck nach Ulan Bator.

Morgen verlassen wir die Mongolei und fahren mit der Eisenbahn nach Irkutsk. Wir freuen uns auf die Fahrt und werden dafuer Chinanudeln in Styroporbechern und feinen Dschingis-Wodka als Reiseproviant einkaufen.